Eigentlich ist alles Marius‘ Idee. Irgendwann im April kommt er mit diesem Flyer der Sparkassen Fairplay Soccer Tour in die Schule. Wäre doch cool, da mal mitzumachen. Die Jungs der Klasse stehen zusammen, malen sich aus, wie sie von Sieg zu Sieg eilen und schließlich richtige Fußballstars werden – man wird ja noch träumen dürfen. Aber zumindest einen interessanten Tag mit viel Fußball würde man doch erleben beim Stadtturnier in Eberswalde. Ganz ehrlich, ernsthaft wird nicht mit mehr gerechnet, dazu spielen die Jungs zwar gerne aber nicht professionell genug Fußball. Schließlich finden sich aus der Klasse 5L des Humboldt-Gymnasiums Eberswalde 8 Jungen, die beschließen, das Anmeldeformular auszufüllen und zum Turnier zu gehen. Es werden zwei Mannschaften gebildet, die „Humboldt Kickers“ und der „FC Humbi“, womit den Formalitäten Rechnung getragen wird. Aber eigentlich sind alle 8 Jungs ein großes Team.

Ein Stadt-  und ein Regionalturnier später steht fest: beide Teams der Klasse 5L sind für das Bundesfinale 2014 der Soccer Tour qualifiziert. Zwar nicht über die sportlichen Ergebnisse, aber man hat gerackert und fair gekämpft und ist über die Fairplay-Wertung weitergekommen. Das sorgt bei den Jungen für wahre Freudenstürme und bei den Eltern für etwas ungläubige Blickwechsel.

Hey, wir sind da. Der von der Sparkasse Barnim (vielen Dank!) gesponsorte Bus hat uns gemeinsam mit den anderen Mannschaften der Region an die Ostseeküste gebracht. Hier in Prora geht das Bundesfinale über die Bühne. Die Location ist gut gewählt: ausreichend Platz für hunderte Zelte der Mannschaften aus vielen Bundesländern, die Jugendherberge sorgt für die Verpflegung (wer möchte, kann auch ein Zimmer mieten) und es gibt eine Halle mit drei Soccerplätzen. Nebenan sind zwei weitere Plätze unter freiem Himmel aufgebaut. Der perfekten Organisation merkt man an, dass es nicht das erste Bundesfinale ist. Wie man diese Unmenge an Spielen so straff organisiert auf den 5 Plätzen abspult, ohne jemals Hektik aufkommen zu lassen – Kompliment.

Unvergessen bleibt für unsere Jungs der Moment vor dem ersten Spiel. An der Nordseite des Käfigs schlüpfen sie durch das Tor auf das Spielfeld. Wenn man sie kennt, sieht man, dass ihnen das Herz schon ein wenig in die Hose rutscht, als sie plötzlich aus dem dichten Gedränge rund um die Soccerkäfige heraus diese gefühlt riesige, freie Fläche betreten und viele Augen auf sich gerichtet spüren. Nun gilt es. Ein Shake-Hands mit dem Gegner und als das Spiel beginnt, ist alle Aufregung verflogen. Von außerhalb der Bande wird angefeuert, auf dem Feld gekämpft. Das Spiel geht zwar verloren, aber beide Humboldt-Mannschaften können sich im Verlaufe des Turniers steigern und durchaus Achtungserfolge verbuchen. Für ein Weiterkommen reicht es zwar nicht – aber das war auch nicht erwartet. Da bleibt am zweiten Tag also Zeit, die verschiedensten angebotenen Stationen rund um den Sport zu besuchen. Zwischendurch wird natürlich immer wieder bei den Spielen vorbeigeschaut und als es Richtung Finale geht, ist die Halle rappelvoll. Die spannenden Finalspiele fesseln alle, und als am Ende in unserer Altersklasse 11-13 eine Mannschaft aus Eberswalde siegt, freuen wir uns besonders mit.

Nach dem letzten Finalspiel gibt es die Siegerehrungen. Ein klein wenig Hoffnung machen sich alle unsere Jungs schon auf einen Sieg in der Fairplay-Wertung. Immerhin gab es weder beim „FC Humbi“ noch bei den „Humboldt Kickers“ in den Besprechungen nach jedem Spiel wesentliche Kritiken. Über das gesamte Turnier, vom ersten Match in Eberswalde bis zum letzten Gruppenspiel in Prora, waren die Jungs eine eingeschworene Truppe, haben sich gegenseitig unterstützt, angefeuert und auch Trost gespendet. Nun, für eine kurze Zeit, sind es dann doch zwei Teams. Die Anspannung ist riesig, als es an die Bekanntgabe des Siegers der Fairplay-Wertung geht. „Der Sieger kommt aus dem Bundesland Brandenburg, und zwar aus Eberswalde“. Der Sprecher macht eine kleine Pause. Verdammt, eines der Teams hat es geschafft, aber welches? „Es ist der ‚FC Humbi‘!“. Freud und Leid liegen oft dicht beieinander. Während die einen freudestrahlend zur Tribüne eilen, bleiben ihre Freunde traurig zurück. Später werden sie sich mit den anderen freuen können, aber jetzt, in diesem Augenblick, erreichen sie unsere tröstenden Worte nicht.

Für die Humbis ist es jedoch ein riesiges Gefühl, den Pokal und einen Gutschein für das Bundesliga-Spiel des BVB Dortmund gegen den SC Freiburg entgegenzunehmen. Zurück bei uns wird ein Siegerfoto mit allen gemeinsam gemacht, aber dann müssen sie nochmal auf die Bühne. Als Gesamtsieger der Fairplay-Wertung Jungen werden sie erneut geehrt, erhalten aus der Hand von Herrn Tretschok ein T-Shirt mit den Original-Unterschriften der Fussball-Weltmeistermannschaft 2014.

Spätestens beim gemeinsamen Baden in der Ostsee, beim Hühnergötter-Sammeln und Bolzen am Strand ist der größte Schmerz der Humboldt Kickers überwunden, die abendliche Abschlussparty mit viel Musik wird gemeinsam gefeiert und heute Nacht geht es erst spät in die Schlafsäcke. Im Zelt der Humbis ist es noch etwas enger geworden – der Pokal braucht seinen Platz.

Als wir am nächsten Tag in Eberswalde aus dem Bus steigen und den Eltern stolz den Pokal präsentieren, ist unsere Reise jedoch noch nicht beendet. Es steht die Fahrt zum Bundesligaspiel nach Dortmund aus. Da wird es für die Betreuer noch einmal richtig spannend. Die Anreise mit der Bahn ist organisiert, alles zeitlich geplant – nur die Tickets sind eine Woche vor dem Termin noch nicht da. Also rufen wir beim Organisationsbüro der Soccerliga an. Eine böse Überraschung: Die Karten wurden schon vor Wochen verschickt, hätten längst angekommen sein sollen. Fällt die Fahrt nun ins Wasser? Wie sollen wir das den Kindern beibringen! Aber das Team der Soccerliga setzt gemeinsam mit Herrn Tretschok und den Verantwortlichen beim BVB alles in Bewegung, um noch eine Lösung zu finden. Neue Tickets werden für uns in Dortmund an der Kasse hinterlegt. So sitzen wir dann doch am 13.09.2014 auf der Tribüne des Signal-Iduna-Parks, erleben die tolle Atmosphäre eines Bundesligaspiels und den emotionalen Moment, als Kagawa bei seinem Comeback für Dortmund sein Tor erzielt und vielen Dortmund-Fans Tränen der Rührung in den Augen stehen.

An dieser Stelle vom „FC Humbi“ und den „Humboldt Kickern“ ein herzliches Dankeschön an alle, die zum Gelingen der Soccertour einen Beitrag leisten, an die in der ersten Reihe für die Publicity sorgenden Leute wie Herrn Tretschok und Frau Bernuth, an die vielen freiwilligen Helfer im ganzen Land, die bei der Durchführung der Events engagiert anpacken und natürlich an die Leute der Organisation, die uns auf unserem Weg immer mit Rat und Tat beiseite standen. Man möge uns an dieser Stelle erlauben, Frau Weißbach besonders zu erwähnen, die uns hilfreich unterstützte, um unser Kartenproblem zu klären und dadurch den Jungen den tollen Tag in Dortmund sicherte.

Und nächstes Jahr sind wir wieder dabei. Auch wenn es dann nicht so weit gehen mag, es wird sicher wieder ein schönes Erlebnis. Und der Weg ist ja bekanntlich das Ziel …